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Was ist eigentlich Baumwolle?

Baumwolle ist keine Wolle im eigentlichen Sinn, denn Wolle ist ausschließlich tierischen Ursprungs. Baumwolle ist eine aus den Samenhaaren von Gossypium spp. gewonnene Naturfaser und besteht hauptsächlich aus Zellulose. Die biologische Funktion der Samenhaare ist es die daran anheftenden Samen zu verbreiten. Jede Samenkapsel enthält 20-30 Samen, an denen jeweils 2000-5000 Samenhaare sitzen. Jedes Samenhaar besteht aus einer einzigen Zelle. Damit gehören die Samenhaare der Baumwolle zu den längsten Zellen, die man im Pflanzenreich findet.

 

Betrachtet man die Faser unter dem Mikroskop, sieht sie aus wie ein flaches Band mit korkenzieherartigen Drehungen. Diese Verwindungen, die ein typisches Merkmal der voll ausgereiften Baumwolle darstellen, wechseln oft die Drehungsrichtung. Beim Verspinnen haften die Fasern trotz der glatten Faseroberfläche gut aneinander, da die Verwindungen dabei scharnierartig ineinandergreifen.

Kurzstapel: bis 26 mm
Mittelstapel: 26 - 29 mm
Langstapel: 30 - 38 mm
Extremlangstapel: ab 39 mm

Rund 90 % des Baumwollaufkommens der Welt fällt unter Kurz- und Mittelstapel, 7-8 % unter Lang- und 2-3 % unter Extremlangstapel. Qualitäten mit extra langem Stapel liefern vor allem Ägypten und Sudan, etwas auch Peru und die USA.

Raster-Elekronenmikroskopische Aufnahme einer Baumwollfaser

 

 

Die unterschiedlichen Arten von Baumwollpflanzen gehören zu den Malvegewächsen (Familie Malvaceae). Ihre ursprünglichen Verbreitungsgebiete liegen in den subtropischen Klimazonen (vermutlich Pakistan). Von den ca. 300 Arten sind eigentlich nur drei von wirtschaftlicher Bedeutung. Diese kommerziell genutzten Arten sind alle einjährig (Anuelle), d.h. sie schließen ihren Lebenszyklus in weniger als einem Jahr ab. Dies bedeutet auch, daß die Baumwollpflanzen jedes Jahr neu angesät werden müssen. Nur wenige Arten sind perennierend und erreichen Strauchgröße.

 

Die wichtigsten Arten sind:

Gossypium barbadense:
Anbaugebiete: Hauptsächlich Ägypten, Indien, Peru, USA. Diese Art weist besonders lange Samenhaare auf (langstapelig), so daß daraus besonders hochwertige Textilien hergestellt werden können.

Gossypium hirsutum:
Anbaugebiete: am weitesten verbreitet in: Pakistan, Türkei, Australien, ehemalige UdSSR, USA. Die Samenhaare sind weniger lang, als bei Gossypium barbadense. Auf diese Arte geht der Großteil der Weltproduktion zurück (ca. 90%).

Gossypium herbaceum:
Anbaugebiete: Pakistan, China, Indien. Bei dieser Art sind die Samenhaare kurz (kurzstapelig). Diese Baumwolle wird deshalb für geringwertige Textilien, z.B. T-shirts, verwendet. Sie hat aber den Vorteil guter Feuchtigkeitsaufnahme (Saugfähigkeit).

Baumwolle ist reißfest, hitzebeständig, chemisch widerstandsfähig, strapazierfähig und läßt sich gut färben. Auf Grund der guten Feuchtigkeitsaufnahme sind Textilien aus Baumwolle angenehm zu tragen, nasse Wäsche jedoch trocknet nur langsam. Als Faustregel gilt: Je länger, feiner und reißfester die Fasern sind, desto leichter lassen sie sich färben und zu weichen Stoffen verarbeiten.

 

Kurze Geschichte der Baumwolle

 Die Meinungen ab wann Baumwolle zum ersten mal für Kleidungszwecke genutzt wurde gehen deutlich auseinander. Die Zeit- und Ortsangaben reichen von 5800 Jahren v. Chr. in Mittelamerika bis 3000 Jahre v. Chr. in China und Indien. Zwischen 600-800 v. Chr. gelangte die Baumwolle von Indien nach Ägypten und von da durch Alexander den Großen nach Europa. Davor beherrschten praktisch nur drei Spinnstoffe die europäische Szenerie der Textilherstellung. Wolle vom Schaf, Leinen vom Flachs und Seide vom Seidenspinner. Letzteres gelangte nur aus dem Orient als Geschenk oder Kriegsbeute nach Europa. Wirklich nennenswerte Mengen an Baumwolle kamen erst durch den aufstrebenden Handel im ausgehenden Mittelalter nach Europa. Augsburg war damals ein bedeutendes Zentrum der Baumwollspinnerei (Fugger). Bis ins 17. Jahrhundert konnte Augsburg diese führende Position behaupten, bevor sich der Schwerpunkt der europäischen Baumwollspinnerei nach Flandern und insbesondere nach England verlagerte. Hier sind v.a. die Zentren Manchester, Nottingham und das berühmte Clyde Valley in Schottland zu nennen.


 

 

 

 

 

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Baumwollfeld im Süden der USA

 


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